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Im Visier Dezember 2011 KAMERADEN
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Keine Armee der Welt wurde in ihrer Geschichte so oft reformiert wie die Bundeswehr. Die aktuelle Reform heißt Neuausrichtung, denn der Begriff „Reform“ hat sich abgenutzt. Eigentlicher Grund für die Neuausrichtung ist die Finanznot bzw. der Zwang zum Sparen.  Daher müssen eine reduzierte finanzielle Ausstattung der Bundeswehr mit ihren Aufgaben und Fähigkeiten in Übereinstimmung gebracht werden. Dies ist eine zwingende Notwendigkeit.

Das Ergebnis ist die einschneidendste Reform/Neuausrichtung seit dem Bestehen der Bundeswehr: Die Wehrpflicht wurde (ohne Not) mit einem Federstrich ausgesetzt, die Streitkräfte von 255.000 auf 185.00 Soldaten reduziert, und zahlreiche traditionelle militärische Standorte in unserem Land werden geschlossen. Die Wehrpflicht mit dem Soldaten als „Staatsbürger in Uniform“ war das Markenzeichen der Bundeswehr und der Hauptgrund für die Integration der Bundeswehr in die Gesellschaft. Mit der Verkleinerung der Bundeswehr und dem Aussetzen der Wehrpflicht verflüchtigt sich die Bundeswehr auch aus dem Bewusstsein der Bevölkerung im Land. Wie bei jeder neuen Reform wird auch diesmal wieder behauptet, es werde eine bessere, effektivere Streitmacht entstehen. Aber mit weniger Kräften als bisher Truppen für weltweite Einsätze verfügbar machen zu wollen, zeigt ein gewisses Maß an Zweckoptimismus. Bleibt abzuwarten, ob es gelingt.

Diese Neuausrichtung greift tief, denn sie rührt am Selbstverständnis der Bundeswehr und an der Moral der Soldaten in der Truppe. Die Truppe ist zutiefst verunsichert und auch frustriert, denn die Neuausrichtung baut die Bundeswehr ab, nicht aber auf. Ist die Bundeswehr noch attraktiv für junge Menschen? Es wurde ein Freiwilliger Wehrdienst bis zu 23 Monaten eingeführt, der für die ersten sechs Monate als Probezeit ausgelegt ist. Die ersten Erfahrungen mit diesem Personalmodell sind bislang indifferent, denn jeder vierte freiwillig Wehrdienstleistende hat die Probezeit genutzt, um die Bundeswehr schnell wieder zu verlassen. Kein gutes Omen.

Bei dieser Lage kommt es neben der durchaus erforderlichen Neuausrichtung der Bundeswehr darauf an, den dienenden Soldaten in der Truppe, die das wertvollste und unverzichtbare Fundament einer jeden Armee bilden, politisch den Rücken zu stärken. Der Soldat braucht den Rückhalt in der Bevölkerung und in der Politik. Er darf nicht den Eindruck bekommen, die Bundeswehr sei der Politik und der Gesellschaft gleichgültig. Nicht ohne Grund hat Bundespräsident Wulff am 20. Juli 2011 vor einer Gleichgültigkeit der Gesellschaft gegenüber der Bundeswehr gewarnt.


Dieter Stockfisch
Kapitän zur See a.D.

 



 


 

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