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Keine
Armee der Welt wurde in ihrer Geschichte so oft reformiert wie die Bundeswehr.
Die aktuelle Reform heißt Neuausrichtung, denn der Begriff „Reform“ hat sich
abgenutzt. Eigentlicher Grund für die Neuausrichtung ist die Finanznot bzw. der
Zwang zum Sparen. Daher müssen eine
reduzierte finanzielle Ausstattung der Bundeswehr mit ihren Aufgaben und
Fähigkeiten in Übereinstimmung gebracht werden. Dies ist eine zwingende
Notwendigkeit. Das
Ergebnis ist die einschneidendste Reform/Neuausrichtung seit dem Bestehen der
Bundeswehr: Die Wehrpflicht wurde (ohne Not) mit einem Federstrich ausgesetzt,
die Streitkräfte von 255.000 auf 185.00 Soldaten reduziert, und zahlreiche
traditionelle militärische Standorte in unserem Land werden geschlossen. Die
Wehrpflicht mit dem Soldaten als „Staatsbürger in Uniform“ war das
Markenzeichen der Bundeswehr und der Hauptgrund für die Integration der
Bundeswehr in die Gesellschaft. Mit der Verkleinerung der Bundeswehr und dem
Aussetzen der Wehrpflicht verflüchtigt sich die Bundeswehr auch aus dem
Bewusstsein der Bevölkerung im Land. Wie bei jeder neuen Reform wird auch
diesmal wieder behauptet, es werde eine bessere, effektivere Streitmacht
entstehen. Aber mit weniger Kräften als bisher Truppen für weltweite Einsätze
verfügbar machen zu wollen, zeigt ein gewisses Maß an Zweckoptimismus. Bleibt
abzuwarten, ob es gelingt. Diese
Neuausrichtung greift tief, denn sie rührt am Selbstverständnis der Bundeswehr
und an der Moral der Soldaten in der Truppe. Die Truppe ist zutiefst
verunsichert und auch frustriert, denn die Neuausrichtung baut die Bundeswehr
ab, nicht aber auf. Ist die Bundeswehr noch attraktiv für junge Menschen? Es
wurde ein Freiwilliger Wehrdienst bis zu 23 Monaten eingeführt, der für die
ersten sechs Monate als Probezeit ausgelegt ist. Die ersten Erfahrungen mit
diesem Personalmodell sind bislang indifferent, denn jeder vierte freiwillig
Wehrdienstleistende hat die Probezeit genutzt, um die Bundeswehr schnell wieder
zu verlassen. Kein gutes Omen. Bei
dieser Lage kommt es neben der durchaus erforderlichen Neuausrichtung der
Bundeswehr darauf an, den dienenden Soldaten in der Truppe, die das wertvollste
und unverzichtbare Fundament einer jeden Armee bilden, politisch den Rücken zu
stärken. Der Soldat braucht den Rückhalt in der Bevölkerung und in der Politik.
Er darf nicht den Eindruck bekommen, die Bundeswehr sei der Politik und der
Gesellschaft gleichgültig. Nicht ohne Grund hat Bundespräsident Wulff am 20.
Juli 2011 vor einer Gleichgültigkeit der Gesellschaft gegenüber der Bundeswehr
gewarnt. Dieter Stockfisch Kapitän zur See a.D. |
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